Leben in der Gemeinschaft –
Leben in altersgemischten Gruppen

Die Altersmischung von 0 - 6 Jahren bietet den Kindern eine familienähnliche Situation und ein vielseitiges Lernfeld beim Erwerb lebenspraktischer, sozialer, emotionaler und kognitiver Erfahrung.

Vieles „Vom Weltwissen der Siebenjährigen“ (Donata Elschenbroich), wird hier geübt. Das Besondere am Aufbau der Altersmischung in unseren Gruppen ist, dass wir mit der Aufnahme der Kinder beginnen, wenn sie im frühen Krippenalter sind. Wenn also ein Schulkind die Einrichtung verlässt, wird der freigewordene Platz mit einem neuen Krippenkind nachbesetzt. So bleibt immer eine ausgewogene Mischung der fünf Altersstufen erhalten.

 

Rücksichtnahme und soziales Verhalten

In altersgemischten Gruppen lernen alle Kinder Rücksichtnahme und verschiedene Möglichkeiten kennen, sich sozial zu verhalten. Sie erleben verschiedene Perspektiven und erfahren, dass es unterschiedliche Wege gibt, Freundschaften zu schließen, sich auseinander zu setzen und zu Lösungen zu gelangen.

Die Kinder sehen und erleben alle Entwicklungsschritte vom Baby zum Schulkind, zuerst an sich selbst und dann viele Male an und mit den anderen Kindern. Die Älteren bereiten sich auf den großen Schritt der Einschulung vor, sind gestärkt und selbstbewusst, und werden intensiv verabschiedet. Kleine kommen neu in die Gruppe, werden eingewöhnt und liebevoll aufgenommen.
Durch das Nachrücken jüngerer Kinder werden die Rollen der einzelnen Kinder in altersgemischten Gruppen immer wieder neu verteilt: Ein Kind, das bisher das Jüngste war, gehört durch das Erlebnis, dass kleinere Kinder dazukommen zu den etwas Größeren; ein Kind, das bisher „in der Mitte“ war, kann sich auf einmal zu den „Großen“ oder gar zu den Vorschulkindern zählen.

Auf diese Weise erleben die Kinder den Wechsel von „alten“ und „neuen“ Kindern als natürlichen Prozess:

Die älteren Kinder sind liebevoll und fürsorglich mit den Jüngsten, da sie selbst auch in die Gruppe hineingewachsen sind und diese Fürsorge erlebt haben. In einer geborgenen Umgebung haben sie haben es selbst Jahr für Jahr erfahren, wie man sich um die jüngeren Kinder kümmert und was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.

Sie haben erlebt, dass ihnen Spiele erklärt, Regeln vermittelt und Traditionen weitergegeben wurden. Jetzt sind sie selbst die „Großen“ und ergreifen die Initiative.

Sie setzen Ideen um und üben das Übernehmen und Umsetzen leitender Rollen in der Gruppe.

Sie erleben wie kleine Kinder allmählich laufen lernen und teilen die Freude und den Stolz.

Sie sind an der Entwicklung der Sprache beteiligt: Sie, die gerade selbst sprechen lernten, können nun eine Geschichte erzählen oder ein Lied vorsingen. Die Rolle des Moderators und Mediators wird dadurch geübt.

Kinder in altersgemischten Gruppen verstehen schnell, wann und warum sie Rücksicht nehmen, Hilfe holen oder selbst verantwortlich handeln müssen. Im Kita-Alltag üben sie jeden Tag aufs Neue, sich in die Bedürfnisse anderer einzufühlen.

Da Kinder durch Nachahmung und Wiederholung lernen, sind die Älteren lebendige Modelle für die Jüngeren. Das Selbstwertgefühl der älteren Kinder wird durch das Wissen um ihre Vorbildfunktion und ihre natürliche Überlegenheit gestärkt.

Durch die Möglichkeit, erworbenes Wissen an jüngere Kinder weiterzugeben, festigt sich dieses Wissen.

Während der Freispielzeit haben die älteren Kinder die Möglichkeit, ihre Rollenspiele mit den jüngeren Kindern „lebensnah“ zu gestalten. Sie können sich darin erproben, ihr gelerntes Wissen in der Geborgenheit ihrer vertrauten Gruppe an interessierte Zuhörer weiter zu geben.
Bei den praktischen, alltäglichen Übungen gewinnen die großen Kinder Geschicklichkeit und Sicherheit darin, für sich selbst und die Kleineren zu sorgen.

Förderprojekte

Einen großen Teil der Ruhezeit für die Kleinen verbringen die 4 - 6jährigen mit Förderprojekten wie Vorschulprogramm und Einzelförderung durch die pädagogischen Fachkräfte.

Es ist von Vorteil, wenn sich in einer Gruppe weniger Kinder einer Altersgruppe befinden, weil jedes einzelne Kind dadurch wahrgenommen und gefördert werden kann.
Durch die Möglichkeit, von 0 - 6 Jahren in einer Gruppe aufzuwachsen, erfahren die Kinder Kontinuität, Sicherheit und eine intensive Qualität der Beziehungen innerhalb ihrer Kindertagesstätte, in ihrer Gruppe, zu den Erzieherinnen und allen Erwachsenen, die im Haus ein- und ausgehen. Dieses „verwurzelt sein“ bietet optimale Möglichkeiten der Förderung in allen Bereichen der Persönlichkeit, weil alle Angebote in einem vertrauten Rahmen stattfinden. Dieser vertraute Rahmen setzt Energien für den Forschergeist und das Lernen frei. Die Beziehung, die durch Kontinuität Intensität erlangt, begünstigt und unterstützt die Erziehung. So kommt es, dass in den altersgemischten Gruppen ein geschützter Rahmen bezüglich Umgangston und Umgangsformen entsteht.
Kinder die die Zeit vom Krippen- bis zum Schulalter in einer Gruppe verbringen können, benötigen weniger Energie, Brüche und Übergänge zu verarbeiten. Sie können sich in aller Ruhe entwickeln, sich erproben und sich entfalten. Auf dieser Basis ist Bildung möglich. Auch für die Familien bedeutet diese Kontinuität Entspannung für den Familienalltag. Wie ihre Kinder werden auch die Familien mit der Einrichtung und dem Konzept vertraut. Das führt zu einem entspannten Miteinander von Eltern und Pädagogen.

Freispiel und Alltagssituationen

Im Kontext der Altersmischung sind neben dem Freispiel und den täglich wiederkehrenden Alltagssituationen (Meistern von Konflikten, sich abgrenzen, sich einlassen, essen, Händewaschen, Zähneputzen, Wickeln, An- und Ausziehen) sowohl altersübergreifende Projekte, wie Morgenkreise, Singkreise, Feste, Eltern-Kind-Angebote, Spaziergänge und Ausflüge sowie gruppenübergreifende, alters-homogene Projekte wichtig. Sie schaffen Begegnungen zwischen den Gruppen und ermöglichen so einen regen Austausch zwischen Kindern und Pädagogen. Das Kennenlernen des ganzen Hauses und aller darin beschäftigten Mitarbeiter trägt dazu bei, dass die Kinder Geborgenheit erfahren und das Aufwachsen in einem „Dorf“ erleben.

Der gruppenübergreifende Morgenkreis bietet den Kindern aller Altersgruppen einen gemeinsamen Einstieg in den Tag. Die Freude der älteren Kinder im Morgenkreis die Entwicklungsschritte der Jüngeren zu erleben und den Stolz daran mitgewirkt zu haben, zu fühlen, ist wichtig für die emotionale Reifung.

 

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Altersmischung


Das Zusammenleben der verschiedenen Jahrgänge macht die Welt der Kinder größer, ihren Erfahrungshorizont weiter, und fördert ihre Flexibilität im Umgang mit neuen Situationen. Das ist ein guter Grundstock für Bildung. (Elisabeth Kaufmann)

 

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