BILDUNGSKONZEPT

Unser gesamtes Bildungskonzept, das wir Ihnen im Folgenden vorstellen, ist auf der Grundlage von Vertrauen und Geborgenheit aufgebaut, also auf einer sicheren Bindung.
Das  Bildungskonzept unserer Kindertagesstätten beschreibt nicht nur unsere besonderen Projekte, es befasst sich vielmehr mit der Seele des Alltags, das heißt mit dem was Kinder in jeder Minute lernen können und wie sie es im Rahmen unserer Kindertagesstätten lernen können.

Überblick über unsere pädagogische Arbeit:

 

WURZELN PFLEGEN

Geborgenheit erfahren und sich wohlfühlen
Jedes Kind wird am Morgen persönlich von den Erzieherinnen begrüßt, wird wahrgenommen und beachtet.
Es verabschiedet sich von seinen Eltern.
Geborgenheit wird unter anderem  durch die Zugehörigkeit zu einer festen Gruppe vermittelt. Durch das Gefühl der Zugehörigkeit entsteht Teilhabe und Mitbestimmung wird ermöglicht.
Auch  respektvolle Pflege wirkt sich positiv auf das Wohlfühlen und die Geborgenheit  unserer Kinder aus.
Deshalb werden alle Handlungen des Alltags von den Erzieherinnen sprachlich begleitet: „Jetzt muss ich dir die Nase putzen und dann wasche ich dein Gesicht…, das Wasser wird vielleicht ein bisschen kalt sein…“
Kinder nehmen ihren Körper wahr durch das Berühren und es kommt darauf an, wie diese Berührungen stattfinden, ob sie sanft sind oder grob, ob sie das Kind auch wirklich meinen d.h. ob sie zugewandt  oder beiläufig sind - durch unsere Berührungen  lernen die Kinder sich selbst wahrzunehmen und entwickeln eine eigene Qualität  ihres persönlichen Körpergefühls.
Jede Erfahrung die ein Kind auf diese Weise macht, ist eine erste Erfahrung und die Qualität dieser seiner ersten Erfahrungen prägt sein Bild von der Welt und sein Bild von sich selbst.
Die Verantwortung und die Sensibilität mit den Kindern in diesem Sinne den ganz normalen Alltag zu gestalten, gehören zum Handwerkszeug unserer ErzieherInnen.
Deshalb sind die Wertschätzung und Sorgfalt die wir in unserer Haltung verkörpern für jedes Kind ein wichtiger Baustein für das Erlangen eines positiven Selbstbildes und eines positiven Körpergefühls. Die Voraussetzung für „Wurzeln“.


INDIVIDUALITÄT FÖRDERN

Es gilt, dazu beizutragen, dass eigene Gedanken und eigene innere Bilder Raum zum Entstehen haben.

  • Es ist wichtig, dass Kinder Zeit haben für eigene Gedanken und Ideen
  • Dass alle miteinander sprechen, einander zuhören und einander wahrnehmen, um Gedanken auszutauschen - das gelingt auch in der vorsprachlichen Phase.
  • Es findet kein Animationsprogramm statt - damit eigene innere Bilder  entstehen braucht es Zeit.
  • Es gibt keine Hintergrundmusik
  • Jedem Kind wird sein eigenes Tempo gelassen eingedenk dessen dass: „Das Gras auch nicht schneller wächst, wenn man daran zieht“.

Unsere eigenen inneren Bilder und unsere eigenen Gedanken machen uns unverwechselbar und einzigartig, sie bilden unsere Persönlichkeit und machen uns aus.

NEUGIERDE BEFRIEDIGEN

Alle Kinder haben Lust und Motivation:

  • Sinnliche Erfahrungen zu machen  (und die macht man vorwiegend im Alltag, mit ganz „normalen“ Sachen, wie Erde, Gras, Schneebesen, Wasser …)
  • Tätig zu sein
  • Die Welt zu erforschen - die unmittelbare Welt um sie herum - nicht nur bei Ausflügen und besonderen Events

Jedes Kind muss mindestens einmal erproben dürfen, wie es sich anfühlt, die Hand im Teeglas zu baden oder wie es schmeckt die Nudeln mit den Händen zu essen, oder es muss erprobt haben, wie die roten Bauklötze schmecken z.B. im Vergleich zu den blauen…oder gelben.
Kinder fragen tausend Mal „Warum...“ und jedes Mal, haben sie eine Antwort verdient, mit der sie ernstgenommen werden!
In unseren Kindertagesstätten gibt es außerdem viele verschiedene „Sinnesspielzeuge“ wie z.B. eine Reiskiste, Schütt-, Zuordnungs- und Zählspiele - eben einfach „Zeug zum Spielen". Also ein weites Feld zum Lernen!
So wird über die Sinne die Welt erfahren und kennengelernt. Kinder verbinden mit jeder neuen Erfahrung ein Gefühl. (Schäfer)
All das geschieht an jedem einzelnen Tag hunderte von Mal, ohne dass ein aufwändiges Projekt stattfinden muss. Kinder müssen einfach wahrgenommen und gehört werden. Diese Fähigkeit gehört auch zum Handwerkszeug unserer ErzieherInnen.

WISSBEGIERDE UND INTERESSE WECKEN

  • Zusammenhänge werden erforscht und können deshalb erkannt werden
  • Erfahrungen dürfen gemacht werden
  • Experimentieren ist erlaubt
  • Durch neue Impulse wird gelernt

Eigentlich müssen Wissbegierde und Interesse nicht geweckt werden, sie sind bei jedem Kind im Übermaß vorhanden. Die Aufgabe der ErzieherInnen -  eigentlich aller Erwachsenen ist, Wissbegierde und Forschergeist nicht zu behindern.
Eine Kindheit, die im „Schilderwald der Verbote“ stattfindet, ist der natürlichen Wissbegierde nicht förderlich.
Unsere Kindertagesstätten sind deshalb Kinderwelten,  in denen vieles erlaubt ist und erforscht werden darf und die eine interessante und anregende Umgebung darstellen.
Alle Kinder werfen viele Male Gegenstände auf den Boden um sich sowohl mit der Schwerkraft, als auch mit den Reaktionen der Erwachsenen auseinanderzusetzen, sie machen also schon frühe soziale Studien, um kausale Zusammenhänge zu erforschen. Kinder üben immer so lange, bis sie etwas wirklich können und sie geben immer ihr Bestes.
Eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe unserer ErzieherInnen ist, im Alltag sensibel wahrzunehmen, Impulse zu geben, um evtl. Hilfestellung zu  leisten, manche Themen zu vertiefen und Fragen aufzugreifen, um den Kindern geduldig die „Welt zu erklären“ und sie in ihrem Forscherdrang  zu ermutigen und mit ihnen zu staunen.

BODEN  BEREITEN

  • Selbständigkeit wird ermöglicht
  • Selbstvertrauen kann entstehen
  • Verantwortung wird übernommen
  • Frustrationen können ausgehalten werden


Durch die Gestaltung des Tagesablaufs und eine entsprechende Raumgestaltung haben die Kinder viele Gelegenheiten für selbständiges Handeln.

  • Sie schöpfen ihr Essen selbst und bestimmen, wie viel sie essen wollen
  • Sie lernen früh, selbständig, d.h. alleine zu essen
  • Sie lernen z.B. durch in Kinderhöhe angebrachte Waschbecken und Spiegel sich selbst zu waschen
  • Sie lernen sich selbstständig aus- und anzuziehen und so für ihre eigenen Bedürfnisse zu sorgen.

Wachsende Selbstständigkeit und die Fähigkeit für sich selbst zu sorgen, fördern das Selbstvertrauen und das macht unabhängig und stark.
Lernen durch Versuch und Irrtum, durch Freiräume und Experimentiermöglichkeiten, fördert die Fähigkeit, Frustrationen auszuhalten und dadurch die Resilienz. Das ist uns wichtig: „Was Kinder stark macht!“

Mitbestimmung / Partizipation
Für die Kinder gibt es im Tagesablauf viele Möglichkeiten, Wünsche und Gedanken zu äußern,  über ihre Befindlichkeiten zu sprechen, Erlebnisse zu erzählen:

  • Beim Morgenkreis
  • Bei den gemeinsamen Mahlzeiten
  • Bei der intensiven Einzelbeschäftigung während des Freispiels
  • Hin- und zuhören während des Alltags


Ende

 


Bildungskonzept


Jedes Kind beginnt seine Kindertagesstätten-Zeit mit einer bindungsorientierten Phase der Eingewöhnung. Denn:
„Ohne Beziehung keine Bindung und ohne Bindung keine Bildung“
Die Eingewöhnungszeit ist so aufgebaut, dass alle Kinder mit dem Rückhalt einer sicheren Bindungsperson (das ist meist ein Elternteil) die Gelegenheit und ausreichend Zeit haben in ihrer Gruppe Fuß zu fassen, Vertrauen aufzubauen und neue Bindungspersonen hinzu zu gewinnen.

Deshalb gibt es in unseren Einrichtungen die Zugehörigkeit zu einer festen Gruppe.
Die Kinder werden also solange von ihren Eltern begleitet, bis ihre Gruppe, die Erzieherinnen und die gesamte neue Situation für sie einen sicheren Hafen darstellen.
„Für ein Schiff, das keinen sicheren Hafen hat, weht kein Wind günstig“